Kurze Anmerkungen zu meinen Projekten
Ein konstantes Motiv in meiner Arbeit ist die Untersuchung, wie wir uns dem Anderen, der Öffentlichkeit gegenüber, repräsentieren. Es ist uns Menschen ein wichtiges Anliegen, uns ins richtige Licht zu rücken, unser Erscheinungsbild zu kreieren. Dabei inszenieren wir uns nicht nur für unser Gegenüber, sondern erschaffen auch eine Reflexion für uns selber.
Festplätze sind für mich sehr geeignete Orte, um vergleichend festzuhalten, wie die Menschen in ausgewählten Gruppen aufgehen und gleichzeitig versuchen, sich durch ihr Auftreten individuel zu unterscheiden. Seit 1993 fotografiere ich Menschen in ihren Sozialisierungsräumen und zunehmend auch das, was sie umgibt, was sie kreieren.
Dabei entsteht eine mehrteilige Arbeit, die ich Ende 2004 abschliesse und die als Buch publiziert werden soll. Der erste Teil spielt an den verschiedensten Festorten der Stadt Zürich, für den zweiten Teil bin ich nach New York gereist, um dort die Leute während ihrer Freizeit zu porträtieren. In ländlichen Gegenden der USA und der Schweiz ist der letzte Teil meines Projektes angesiedelt.
If you close the door, the night could last forever 1993-97
1993 begann ich, an den verschiedensten sozialen Anlässen in Zürich zu fotografieren. Das Spektrum reichte von kirchlichen Anlässen wie der Osterprozession der Griechisch-Orthodoxen über die Bälle der High Society im Grand Hotel Dolder bis zu den pulsierenden Techno Parties der neunziger Jahre. Meine Absicht war es, die verschiedenen Ereignisse und vor allem die Beteiligten wertungsfrei zu zeigen und nebeneinander zu stellen. Dieser Vorgehensweise lag meine Erfahrung zugrunde, dass eine Technoparty genauso ein spiritueler Ort mit eigenen Ritualen sein kann wie zum Beispiel die Erstkommunion in einer Kirche. Auch fasziniert mich an diesen Treffpunkten, dass sie eine eigene, frei gewählte Welt darstellen, im Gegensatz zur Arbeitswelt, die eine wirtschaftliche Notwendigkeit wiederspiegelt. Dass diese "Sozialisierungsräume" nicht frei sind von (un-) geschriebenen Regeln, diese Ambivalenz macht sie für mich interessant.